Leseprobe

Am heutigen Mittwoch möchte ich mit der Vorstellung der Rohfassung meines neuen Romanprojekts beginnen. Ich werde hier ab und an eine Leseprobe davon präsentieren und freue mich, wie immer, sehr über ihre Anregungen und Kommentare.

 

Leseprobe 1

Alle Handlungen und Personen in dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären zufällig und nicht von mir beabsichtigt.

 

*****

Die TU-154 der Aeroflot setzte zur Landung an. Ich wandte mich vom Fenster ab und presste mich in den Sitz, dabei legte ich die feuchten Hände auf die Armlehnen und umklammerte sie mit den Fingern. Die Stewardess lief den Gang entlang und forderte den einen oder anderen der Fluggäste auf sich anzuschnallen, dabei lächelte sie freundlich. Der Geruch des Schweißes, der unter meinen Achseln durch die Bluse sickerte, stieg in meine Nase und ich drückte die Arme noch enger an meinen Körper. „Diese verdammte Flugangst!“, dachte ich und atmete so leise ich konnte tief ein und aus. „Es wird alles gut, bloß keine Panik zulassen“, beruhigte ich mich in Gedanken und versuchte meinen Atem weiter unter Kontrolle zu halten. Ich schielte zum Sitz neben mir, in dem Jana saß. Sie baumelte mit den Füßen und blätterte in der Kinderzeitschrift, die sie beim Start in Kiev von der Stewardess bekommen hatte. Es war ein buntes Winnie Puuh Heft, das Jana während des gesamten Fluges von vorne nach hinten und umgekehrt durchsah und somit – was mir ganz Recht war – gut beschäftigt war.

Ich wandte mich wieder dem Fenster zu. Das Flugzeug durchbrach die Wolkendecke und als es sie hinter sich gelassen hatte, sah ich unten in der Tiefe das Lichtermeer der Stadt Berlin, das immer näher kam. Allmählich ließ die Spannung im meinem Körper nach und ich zitterte leicht. Hinter dem Fenster regnete es, was für Mitte November nicht ungewöhnlich war. Ich dachte daran, dass meine Tochter und ich in wenigen Minuten zum ersten Mal auf einem Flughafen eines fremdes Landes stehen würden – eines Landes dessen Sprache und Mentalität uns völlig fremd war.

Die Räder des Flugzeugs fassten den Boden und es rollte mit abnehmender Geschwindigkeit die Landebahn entlang. Ich atmete erleichtert auf und streichelte meiner Kleinen über den Kopf. „Sind wir schon da?“, fragte sie ohne ihren Blick von der Zeitschrift zu heben. „Ja Schatz, wir sind gelandet“, erwiderte ich.

Ich fühlte erneut eine Unruhe in mir aufstiegen. Jetzt dachte ich an das bevorstehende Treffen mit Jürgen, der am Flughafen wartete. Die Sprache stellte zwischen uns noch immer eine große Barriere dar, denn ich konnte weder Deutsch noch Englisch und Jürgen weder Russisch noch Ukrainisch. Wenn ich einen Satz zusammenstellen will, um ihm etwas zu sagen, blättere ich mühsam im Wörterbuch und schreibe die einzelnen Wörter auf. Das Buch hat Jürgen aus Deutschland mitgebracht, als er mich das einzige Mal in Kiev besuchte. „Ich habe ein Geschenk für dich“, sagte er damals und wühlte in seiner Reisetasche. Das Wort Geschenk habe ich verstanden und grinste vor Freude in Erwartung, dass er mir Spitzenunterwäsche oder ein Parfum mitgebracht hat. Das, was ich aus den ausländischen, romantischen Filmen kannte, was Männer ihren Frauen und Freundinnen schenkten. Aber als Jürgen mir ein dickes gelbes Buch mit der Überschrift Deutsch-Russisch entgegenstreckte, war die Verwirrung und zugleich die Enttäuschung in meinen Augen anscheinend nicht zu übersehen, denn Jürgen trat von einem Bein auf das andere und wurde rot bis an die Ohren. Ich fing mich, setzte ein gezwungenes Lächeln auf, brachte schließlich ein trockenes „Danke“ heraus und nahm das Geschenk entgegen…

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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19 Antworten zu Leseprobe

  1. Marion schreibt:

    Mir gehts auch so: Dieser kleine Ausschnitt macht mich neugierig und macht Lust auf mehr.
    Gutes Gelingen auf dem weiteren Weg für dieses Werk…
    Von ❤
    Marion

  2. giselzitrone schreibt:

    Schöner Text wünsche ein gutes und schönes Wochenende.Liebe Grüße Gislinde

  3. Dina schreibt:

    Alle Gute für dein Projekt!
    Liebe Grüße, Dina

  4. nandalya schreibt:

    Normalerweise übe ich nie Kritik an einem Werk. Aber wenn du sie magst? Einige Beispiele:

    Die TU-154 der Aeroflot setzte zur Landung an. Ich wandte mich vom Fenster ab und presste mich in den Sitz, dabei legte ich die feuchten Hände auf die Armlehnen und umklammerte sie mit den Fingern.

    Die Maschine der Aeroflot setzte zur Landung an. (Niemand weiß, was eine TU-154 ist. Oder ist sie für die Geschichte wichtig? Ein Jumbo, ein Airbus wäre etwas anderes, die kennt jeder) Ich wandte mich vom Fenster ab und presste mich in den Sitz. Mit feuchten Händen / Fingern umklammerte ich die Armlehnen … (Hände haben nun mal Finger und Finger gehören zu Händen) Wenn du z. B. nickst, dann braucht es auch „nickt mit dem Kopf“ nicht, Womit sonst willst du nicken?

    Der Geruch des Schweißes, der unter meinen Achseln durch die Bluse sickerte, stieg in meine Nase und ich drückte die Arme noch enger an meinen Körper.

    Meine Achseln waren feucht und Schweißgeruch sickerte durch meine Bluse. Schnell presste ich die Arme enger an den Körper. (Dass der Geruch in die Nase steigt ist dabei klar, auch dass es peinlich ist. Klar geht das noch besser, es ist auch lediglich eine spontane Idee!)

    Viel Erfolg mit deinem Werk! 🙂

    LG

    • marijap1 schreibt:

      Vielen Dank, liebe nandalya, es ist sehr nett ! Ich nehme alles in mein Korrektur-Vorschläge-Ordner auf. Eine schöne Zeit und liebe Grüße! 🙂

    • Dina schreibt:

      Diesen anregenden Kommentar fand ich sehr hilfreich!
      Liebe Grüße, Dina

      • marijap1 schreibt:

        Vielen herzlichen Dank, liebe Dina!

        In der Deutsche Sprache zu schreiben ist für mich eine Herausforderung – der ich mich in der Tat sehr gerne stelle. Da ich ja keine deutsche Schule besucht habe, das heißt die Sprache in Wort und Schrift mir selbst beigebracht habe, fehlt mir noch immer die feine literarische Ausdrucksweise. Manchmal sitze ich eine Weile über einem Satz, um dem was ich in Ukrainisch in meinem Kopf habe, eine Klang auch in Deutsch zu geben. Auch die Rechtschreibung und Grammatik ist noch nicht ganz meine Stärke. Deshalb freue ich mich auch über Verbesserungsvorschläge und Kommentare hier. Und ich arbeite daran um mich zu verbessern 🙂

        Liebe Grüße an die Küste!

  5. isabelladonna schreibt:

    Die Leseprobe macht Lust auf mehr!
    Möchtest du „Kritik“ (feedback)?

    • marijap1 schreibt:

      Aber sehr gerne! Für mich als Autor ist jegliche Art von Kritik – bereits während das Buch sich in Entwicklung befindet – sehr wichtig!
      Ich danke dir liebe isabelladonna für dein Besuch 🙂

  6. Kerstin schreibt:

    Das alte Jahr ist nun verronnen
    in 2014 sind wir angekommen.
    Ich wünsche dir für dieses Jahr
    das nichts mehr ist so wie es war
    So soll es besser sein mit Gesundheit, Freude und Glück
    so schaust du auch gerne nicht mehr zurück.
    ….._██_
    ╠╣‹(•¿•)›..F R O H E S
    ╠╣..(█)… N E U E S
    ╠╣…/ I …. J A H R
    Ich danke dir für deine Treue und freue mich auf ein neues Jahr mit und bei dir.
    Liebe Grüssle von Kerstin

  7. Andrea schreibt:

    SCHÖN((e))HIMMELwelten….danke dir..hab einen schönen TAG…HERZlichst ANDREA:))

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