Der Magasin

Es mag sich merkwürdig, unglaublich oder witzig anhören, aber die ersten Fotos die ich in Deutschland gemacht habe, waren die der Regale im Supermarkt. Weihnachtsregal

Selbst wenn damals Weihnachten in den Warenhäusern nicht wie heute im September sondern tatsächlich kurz vom ersten Advent begann, faszinierte mich die Fülle und die Vielfalt der Waren. Insbesondere die Obst- und Gemüsetheken mit Frühlings- und Sommerfrüchten im Winter bzw. das ganze Jahr über!

Im Zuge meiner Euphorie dachte ich daran, diese Bilder meinen Verwandten und Freunden als Postkarten nach Transkarpatien zu schicken.

Nein, ich habe es nicht getan. Denn als ich sie schließlich nochmal betrachtete, schämte ich mich für den Gedanken…

 

Vor dreiundzwanzig Jahren befand sich die Sowjetunion auf dem höchsten Stand des unvermeidlichen wirtschaftlichen Abfallens und Chaos.

Während sich die Menschen auf dem Land von ihren Tieren und aus ihrem Garten selbst versorgen konnten – zumindest mit dem Nötigsten – waren die in der Stadt auf die Lebensmittelgeschäfte angewiesen. Und diese standen die meiste Zeit leer. Sie wurden zwar mit der notwendigsten Ware, wie zum Beispiel Brot, Milch, Butter und selten mal Fleisch, in unregelmäßigen Abständen beliefert, zwei Stunden später waren sie dennoch wieder leergekauft.

Leere Laden*Bildquelle

 

Bereits um fünf Uhr am Morgen, noch während der Lieferwagen abgeladen wurde, stand vor dem Eingang eines kleinen **Magasins – so wurden alle Warenhäuser in der Sowjetunion genannt – eine lange Menschenschlange. Wenn ich am Ende dieser stand, war es nicht ausgeschlossen, dass ich mit leerer Einkaufstasche nach Hause kommen und mir darüber den Kopf zerbrechen würde, was ich meiner dreijährigen Tochter zum Frühstück zubereiten könnte… Solche Erfahrung war mir nicht fremd.

 

Ein Gejammer? Nein. Für wen und warum ich das hier schreibe? An der ersten Stelle auch für mich selbst. Denn ich kann es mir nicht genug bewusst werden und zu schätzen wissen, was ich hier und heute habe.

 

Gegenwärtig kann man in der ehemaligen UdSSR niemanden mehr mit den Bildern aus einem westlichen Supermarkt beeindrucken. Solche Warenhäuser gibt es auch dort und es ist kaum ein Unterschied. Allerdings, wer kann sich dort was leisten?..

 

* Bildquelle Spiegel Online 

**Ein Magasin heute

 

Bis zun nächsten Mittwoch eine wünsche eine gute Zeit!

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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15 Antworten zu Der Magasin

  1. lebenseigener schreibt:

    Konsum meint ja was anderes als Lebensmitteleinkauf. Wir verbinden damit die scheinbare „Freiheit“, Einkaufstouren zu machen. Girlies nennen als Freizeitaktivität gerne und weit vorne „shoppen gehen“. Wir können gar nicht genug bewusst machen, wie toll ein Warenangebot zu fairen Preisen ist. Und wie schnell wir von einem Überangebot verdorben werden. Und wie wenig dieses ausufernde Angebot Grund ist, alles am Kapitalismus schön zu reden.

  2. flowerywallpaper schreibt:

    Ich finde Marija, das ist ein guter Denkanstoß den du da in die Welt gesetzt hast. Man könnte sagen, leere Regale, sowie übervolle Regale sind beide schlecht. Schlecht aus verschiedenen Gründen. Das leere wegen falscher Marktwirtschaft (ob Monarchie, oder Diktatur) und übervolle Regale, wegen der Natur der Menschen. Gier, Neid und falsche Hoffnungen stecken in den Menschen. Ob man zu den Menschen gehört die 24 Stunden arbeiten um sich alles leisten zu können, oder ob man aus dem System herausgefallen ist, wo man sich den Überfluss nicht leisten kann ist eigentlich gleich. Beide werden, oder sind unglücklich. Bei leeren Regalen weiß ein jeder warum die Menschen unglücklich sind. Bei den Vollen nicht. Ich habe soeben ein Buch fertig gelesen und bin schon am Missionieren es allen Menschen ans Herz zu legen. Es hat den Titel „Wir Opfer“ von Kirstin Breitenfellner. Mir diesem Buch haben sich bei mir einige Verknüpfungen von ungelösten Fragen ergeben. Es passt auch hier dazu. Liebe Grüße, Ernestus

    • marijap1 schreibt:

      Ich danke dir für deinen Besuch hier, die netten Worte und die Meinung zu meinem Beitrag insgesamt, lieber Ernestus!
      Das Glück hat viele Gesichter, meine ich… und volle Regale im Supermarkt sind möglicherweise eine kurzzeitige Empfindung dessen.
      Ich wünsche ein schönes Wochenende! Übrigens, vielen Dank auch für den Buchtipp.
      Liebe Grüße zurück!

  3. sichseinlassen schreibt:

    Ich erinnere mich auch noch an die leeren Geschäfte in der ehemaligen DDR. Für mich ist noch immer ein Glücksgefühl, dass ich mir alles kaufen kann.

  4. Marion schreibt:

    Liebe Marija,

    solche Zustände wurden mir aus der ehemaligen DDR erzählt, wo mein Vater geboren wurde und aufgewachsen ist. Seine Mutter, also meine Oma, musste auch oft gucken, wo sie was bekommen konnte für die 7-köpfige Familie und manchmal kam sie wohl auch mit leeren Einkaufstaschen heim. Was dazu führte, dass mein Opa, sobald er „im Westen“ lebte, zeitlebens seinen Einkaufsdrang nicht ablegte, weil er nun mal so an den Mangel gewöhnt und auf ihn trainiert war, dass „horten“ für ihn nicht mehr abstellbar war.

    Ich wünschte von Herzen, es gäbe nicht solche Systeme, wo Menschen unter solchen Bedingungen leben müssen. Aber unwürdige Zustände gibt es leider noch viel auf der Welt. Mir vorzustellen, unter welchen Umständen die Menschen jeweils leben müssen, hilft mir höchstens, immer neu dankbar zu sein für die Freiheit, wie ich mein Leben gestalten kann und was mir alles zur Verfügung steht.

    Liebe Grüße
    Marion

    • marijap1 schreibt:

      Wenn man von einem geschätzten Menschen über seiner üblen Erfahrungen hört, bleibt man sicher davon nicht unberührt. Mir würde es auch so gehen, liebe Marion! Ich danke dir herzlich für deinen Gedankenaustausch und wünsche noch ein schönes Wochenende! Schöne Grüße von hier! 🙂

  5. Solch leeren Regale habe ich – ich glaube es war 1985 – in Prag gesehen. Damals war ich dort auf Klassenfahrt. Das war für uns aus dem Westen völlig unvorstellbar …
    Liebe Grüße, Iris

    • marijap1 schreibt:

      Danke für deinen Kommentar, liebe Iris.
      Der Kommunismus hat viele Menschen auf der Welt in ein Elend gestürzt. Davon waren ja – und zum Teil noch immer sind – bekanntlich viele Länder betroffen.

  6. Follygirl schreibt:

    Ja, das ist wichtig, wir sollen nicht vergessen, es geht nicht allen Menschen gut, (auch hier in D-Land nicht).
    LG, Petra

  7. Andrea schreibt:

    Eine GUTE WOCHE…..HERZlichst ANDREA:))

  8. Thala schreibt:

    Leere Regale? Unvorstellbar …

    • marijap1 schreibt:

      Ja, liebe Thala. Heute auch für mich unvorstellbar.
      Wir dürfen aber nicht vergessen, dass selbst wenn hier zu Lande die Warenhäuser überfüllt sind, gibt es einige Menschen die sich nur das Nötigste vom Nötigsten leisten können.
      Ein Gruß von mir!

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