Über die Schule

Teil II

Da wo ich herkomme, gehörte „verhaut werden“ zur Zeiten meiner Kindheit zu einer konsequenten Maßnahme in der Erziehung und war sowohl in der Schule als auch in vielen Familien an der Tagesordnung. Bevor die Eltern mit dem Kind über sein Verhalten sprachen, griffen sie zur einfacheren Methode – Prügel. Das Kind musste diese hinnehmen mit dem Wissen, dass es sie verdient hatte und es so sein sollte. Nachdem es sich ausgeweint hatte, gehörte die Tat bereits der Vergangenheit an und wurde verdrängt – wenn auch nicht vergessen.

Viel schlimmer war es, wenn die Lehrer Gewalt als Strafe anwendeten. Eine Mutter oder ein Vater nahmen ihr Kind im nächsten Zug wieder in den Arm. Von einem Lehrer der schlug, hatte man keinen Trost zu erwarten. Man empfand eine Mischung aus Furcht und Respekt und war der Macht und Willkür bis zum Ende der Schulzeit ausgesetzt.

Dass das Prügeln als erzieherische Maßregel falsch war und der Entwicklung des Kindes schadete, darüber hat sich kaum jemand Gedanken gemacht. Wenngleich – hieß es auch damals – die Eltern und die Gesellschaft für ihre Kinder nur das Beste wollten.

Wenn man sich mit eigenen Prügelerfahrungen – und den Gefühlen dabei – viel auseinandergesetzt hat, schafft man es mit der Zeit diese zu verarbeiten und möchte sie nie mehr erleben und wünscht solche Erfahrungen niemand anderem.

Das war damals und dort.

Auch wenn in der heutigen Zeit Kinder von den Lehrern keine körperliche Gewalt ertragen müssen – in dem Fall meine ich in Deutschland – so kommt es bekannterweise, leider, auch hier noch immer zu häufig vor, dass die Kinder von ihren Eltern misshandelt werden. Ich glaube und hoffe, dass es viele Menschen gibt, die bei diesem – zu Teil noch immer Tabuthema – hellhörig werden und nicht wegsehen.

Es ist heute und hier.

Wir Eltern wollen unsere Kinder glücklich sehen und streben für sie nur das Beste an, egal ob wir mit neunzehn, fünfundzwanzig oder dreiundvierzig Eltern geworden sind.

Aber ist das tatsächlich gut für mein Kind, was ich zu wissen meine, dass es für ihn/sie gut sei? Dieser Gedanke kommt mir als Mutter in der letzten Zeit häufig in den Sinn. Mache ich in der Erziehung alles richtig oder schade ich dennoch meinem Kind mit der einen oder anderen gutgemeinten Entscheidung? Ich glaube, dass es vielen Eltern so geht und sie sich das eine oder andere Mal ähnliche Fragen stellen.

Bereits in der Grundschule verlieren die Kinder die Lust am Lernen, das liest man und hört immer wieder. Wie schaffe ich es, dass mein Kind die Schule als Möglichkeit sieht viele Dinge fürs Leben zu erfahren und zu lernen? Es heißt, die Lehrer sind überfordert, da es viel Kraft kostet, einen Unterricht in einem Klassenzimmer mit zweiunddreißig Schülern zu halten, von denen es einigen an Disziplin fehlt.

Dabei geben wir Eltern uns so viel Mühe und fördern unsere Kinder, wie und wo es nur möglich ist. Aber sind die Kinder damit manchmal nicht überfordert? Heutzutage haben die Kinder ihren eigenen Terminkalender und der ist Wochen im Voraus voll! Wir kutschieren unsere Kinder von Montag bis Sonntag zum Ballett, Reiten, Turnen, Musik, Fußball, Chor, Ringen, Kieferorthopäde. Und gute Leistungen in der Schule sollen sie auch bringen, also ordentlich Hausaufgaben machen, später noch zusätzlich lernen.

Dann hätten wir gerne, dass unsere Tochter/Sohn so viel wie möglich Zeit draußen beim Spielen an der frischen Luft verbringt, weil es eben auch wichtig ist. Außerdem sollen sie in der Freizeit durch eigenständiges Spielen und Entdecken ihre Persönlichkeit entfallen. Wann sollen denn die Kinder das tun? Spät abends? Aber da wollen wir ihnen ja rechtzeitig „Gute Nacht“ im Bett sagen, um endlich Zeit und Ruhe für uns zu haben. Weil man selbst von der Arbeit und dem Haufen Verpflichtungen geschafft ist.

Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch gehen lassen.

Jean Paul, (1763 – 1825)

Auf dem Gebiet der Erziehung wird viel geforscht und es gibt sicher einige gute theoretische Ratgeber. Aber findet man dort konkrete Antworten auf die tausend Fragen, wie man den Weg der Erziehung in der Praxis mit den Kindern geht? Schafft es auch diese umzusetzen?

Vielleicht brauche ich mir als Mutter gar nicht so viel Kopfzerbrechen zu machen. Vielleicht soll ich weiter und mehr auf mein inneres Gefühl hören – dem Kind besser zuhören, es lieben und einfach Kind sein lassen?! Denn: Erwachsen muss es dann lange genug sein.

Bis zum nächsten Mittwoch. Eine gute Zeit!

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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8 Antworten zu Über die Schule

  1. donaldtownsend schreibt:

    Ich kann gut verstehen, wenn man als Eltern in einem inneren Widerspruch steckt zwischen maximaler Förderung und großem Freiraum. Leider tendiert unsere Gesellschaft heute dazu hin, die Errungenschaften der Aufklärung Stück für Stück zu demontieren. Kindheit und Schulzeit verkommen immer mehr zu einer auf engste Ziele abgestimmte Zulieferindustrie für die Wirtschaft. Das ist sehr schade. Die Ideale von Humboldt von der zweckfreien Bildung, die sich bei uns über Jahrhundert bewährt hat und für die wie weltweit bewundert wurden, treten zunehmend in den Hintergrund. Von daher finde ich es wichtig, dass man als Eltern das richtige Maß findet an Freiheit für die Kinder. Kinder müssen auch mal Kinder sein dürfen, spielen und Abenteuer erleben. Viele Eltern scheue das Risiko. Was, wenn das Kind vom Apfelbaum fällt? Erlebnisse wie diese sind zum Glück selten und gehören zum Erfahrungsschatz der Kindheit. Dieses verwehren wir unseren Kindern zunehmend. Sie lernen und tanzen und musizieren und wenn sie spielen, dann sinnentleert an irgendwelchen Konsolen, PCs oder Smartphones. Mehr und mehr drängen auch Eltern durch ihr Verhalten Kinder in eine absolute Konsumentenhaltung. Ohne Belohnung wird nicht einmal mehr der Mülleimer heraus getragen. Vielen Kindern fehlt heute eine innere Ruhe, die Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen und auch einmal alleine zu spielen. Sie können es nicht mehr, weil sie es nicht gelernt haben. Langeweile! das ist dann die Klage. Und alles muss Unterhaltungswert haben, Spaß machen, auch die Schule. In Asien ist der Weg das Ziel. Bei uns ist die Bereitschaft, Mühen auf sich zu nehmen durch die Konsumentenhaltung sehr gering geworden. Ist der Aufsatz beim ersten Mal nicht gut geworden, so weigern sich mittlerweile viele Kinder, diesen noch einmal von Hand zu überarbeiten. Spätestens beim dritten Anlauf stecken auch die motiviertesten Kinder oft auf und verweigern jegliche weitere Überarbeitung, die dann als Schikane des Lehrers angesehen wird.
    Das ist unsere Welt. Wir können sie verändern.

  2. Aka Teraka schreibt:

    Dieses Thema beschäftigt mich sehr…

  3. giselzitrone schreibt:

    Danke dir lieb für deinen Besuch,ja Kinder brauchen die Liebe der Eltern,ich bin als meine Kinder klein waren viel Arbeiten gegangen, mein Mann hatte Schicht Arbeit daher ging das,ich merke heute erst wie viel ich versäumt habe aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.Wünsche dir eine gute neue Woche lieber Gruß von mir Gislinde

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