(Über) die Schule

Teil I

Lernen, lernen und nochmals lernen“, stand es groß geschrieben auf einem Plakat, das direkt über dem Porträt vom W. I. Lenin – dessen Zitat es sein sollte – in meinem ersten Klassenzimmer angebracht war. Und spätestens beim Anblick der Lehrerin, die vor der Schultafel stand und uns Schulanfängern diesen Satz vorgelesen hatte, wusste ich, dass diese Anweisung tunlichst ernst genommen werden sollte…

 

Über die Schule damals in der Sowjetunion und die Schule heute in Deutschland lässt sich viel erzählen und diskutieren. Denn es waren und sind zwei völlig verschiedene Welten. Allerdings ist dies in diesem Bericht nicht meine Absicht. Ich möchte lediglich ein paar Erinnerungen und Gedanken zum Thema Schule und Kinder im Allgemeinen aufschreiben. Ein Thema, das mich sowohl privat als auch beruflich berührt und interessiert.

 

Zu meiner Schulzeit galt generell: das Elternhaus ist für die Leistungen und das Benehmen des Kindes in der Schule verantwortlich. Gleichwohl mussten klare Vorgaben der kommunistischen Struktur befolgt und eingehalten werden. Mit dem Ziel – so hieß es damals – treue Patrioten des Landes zu erziehen. Was im Grunde genommen bedeutete, dass das Kind und die Eltern gleichermaßen vom Schulsystem, das der Staat geplant hatte und streng kontrollierte, erzogen wurden. CIMG2047

Die pädagogische wie fachliche Kompetenz eines Lehrers wurde respektvoll und zweifellos auf ein Podest gestellt.

Die Elternabende an unserer Schule waren streng verpflichtend und öffentlich. Das heißt, alle Anwesenden saßen in einem Raum, die Klassenlehrer riefen nacheinander die Eltern auf und sprachen, je nachdem, Lob oder Nichtlob aus. Die Eltern der Schüler, die weniger gute Noten schrieben oder in ihrem Benehmen auffällig waren, wurden vor allen regelrecht beschimpft und zurechtgewiesen. In machen Fällen war bereits der erste Elternabend wie ein Brandmal für die gesamte Schullaufbahn.

 

Einige Tage, bevor unsere Eltern zu einem Elternabend gingen, ermahnten sie uns – wir waren neun Kinder in der Familie, meistens gingen vier oder fünf gleichzeitig zur Schule – ja nichts anzustellen. Sollte dies aber doch der Fall gewesen sein und unsere Eltern wurden auf der Versammlung damit konfrontiert, wurde wir noch am gleichen Abend aus dem Bett geholt und ordentlich verprügelt.

 

Darüber und mehr gibt es nächsten Mittwoch. Bis dahin eine schöne Zeit!

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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13 Antworten zu (Über) die Schule

  1. marijap1 schreibt:

    (1) Herzlichen Dank ihr Lieben, Marion, Ocean und Giselzitrone, für den Meinungsaustausch!
    Meiner Ansicht nach, spielt das politische System eines Landes sowohl damals als auch heute – was Misshandlung an Kindern betrifft – keine wesentliche Rolle. Denn das ist eine eher familieninterne Haltung und Prägung. Traurigerweise werden die Kinder in manchen Familien der demokratischen Länder in heutiger Zeit auch geschlagen.
    Seit herzlich gegrüßt! Bis bald!
    Marija

    • Marion schreibt:

      Liebe Marija,

      um ehrlich zu sein, kann ich das nicht recht glauben (dass das politische System keine wesentliche Rolle spielen würde bei dem, was du beschreibst). Zwar glaube ich, dass es in Familien und ganzen Gesellschaften üblich, verbreitet und anerkannt ist, Kinder zu schlagen. Aber die Lehrer unterordnen sich dem politischen System und geben die Denke an die Kinder weiter und setzen zur Durchsetzung Schläge ein. Auch wenn in der Familie zusätzlich geschlagen wird, mag ich nicht glauben, dass das unabhängig vom politischen System passiert, wenn ich auch einräume, dass es nicht bewusst geschehen mag.

      Aber in Deutschland kennt man die Redewendung: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das gilt in Bezug auf Straftaten.

      Sinngemäß würde ich das hier anwenden. Auch wenn Einzelnen in so einem Gesellschaftssystem nicht bewusst ist, was sie tun und warum sie es tun, so tragen sie die Verantwortung für ihn Tun.

      Liebe Grüße
      Marion

      • marijap1 schreibt:

        Ich danke dir liebe Marion. Ich schätze deine Meinung sehr und teile sie mit dir, vor allem was Rechenschaft angeht. Über das Thema kann man in der Tat viel schreiben und sprechen. Nur eins darf bei Kindesmisshandlung jeglicher Art nicht getan werden, nämlich, weg geschaut!

      • Marion schreibt:

        Da hast du recht, liebe Marija: Wegschauen ist schlimm.

  2. Ocean schreibt:

    Puh ..das klingt schlimm, liebe Marija. Klar war vermutlich alles sehr diszipliniert – aber um welchen Preis? Prügel ..das ist nicht der richtige Weg.

    Ich grüß dich lieb und wünsche dir einen schönen Abend,
    Ocean

  3. Marion schreibt:

    Grauslig – was anderes fällt mir dazu im ersten Moment nicht ein. Ich wünsche keinen Kindern und keinen Eltern solche Schulzustände! Schule als pervertiertes Anpassungsinstrument eines übermächtigen politischen Systems, das darauf ausgerichtet ist, Menschen „klein“ zu halten? Ich wünschte von Herzen, solches würde der Vergangenheit angehören!

    Liebe Grüße
    Marion

  4. giselzitrone schreibt:

    Wünsche dir einen schönen Tag freuer waren Prügel kann und gebe, auch die Eltern haben das gutgeheißen und nie was dagegen getan mache wurden so geschlagen das der Schock gebrochen ist guter Beitrag.Wünsche dir ein gutes Wochenende Grüße lieb Gislinde.

  5. andrea schreibt:

    PRÜGEL beziehen ist keine LÖSUNG…..eines auf den HosenBODEN hat noch keinem KIND geschadet doch die bezogene PRÜGEL die hatte es in sich….ein INTERESSANTER**BEITRAG**.wünsche dir einen schönen Donner-s-TAG…HERZlichst ANDREA:))

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