Der Transistor(Radio)

An diesem Mittwoch habe ich mir überlegt eine etwas andere Geschichte zu erzählen. Das angekündigte (Über)das Lesen – das Schreiben Teil II gibt es nächste Woche.

Ich hoffe dieser Beitrag gefällt euch ebenfalls. Viel Spaß beim Lesen.

Ende der siebziger Jahre war die Zeit des Kalten Krieges, der Anfangs des Afghanistankriegs und des Hochlebenslassens des Diktators Breschnews in der Sowjetunion. Darüber hörte man zwar immer wieder in der Schule, aber wirklich hatte sich ein Kind mit elf Jahren dafür gar nicht interessiert. Mich interessierte unterdessen, wofür sich alle Kinder in dem Alter zu begeistern beginnen, nämlich Musik und Tanzen. BildDeshalb, als mein Bruder für zwei Jahren zur Armee musste und mir für diese Zeit sein altes Transistor-Radio überlassen hatte, war ich der glücklichste Mensch der Welt. Natürlich war ich wie alle in der Familie auch besorgt und traurig, dass mein Bruder seinen Wehrdienst leisten musste. Meine Familie betete und hoffte, dass er nicht nach Afghanistan geschickt würde und möglicherweise – wie bereits zwei Jungs aus unserem Ort – in einem Sarg Heim kehren würde.

Weil ich aber das Radio haben durfte, waren meine Gefühle gemischt: Trauer und Freude, wobei das Letzte bei Weitem stärker war, wofür ich mich im Inneren furchtbar schämte.

Dieses Radio war das einzige Mediengerät, dass wir damals im Haus hatten. Es funktioniere nicht richtig und hatte ständig schlechten Empfang, aber ich schleppte es, außer in die Schule, überall mit hin. Manchmal saßen meine Freundin und ich im Gras und drehten so lange an dem Knopf, bis wir endlich einen Sender gefunden hatten in dem nicht nur geredet wurde – wie es meistens der Fall war – sondern auch Musik gespielt wurde. Wir tanzten dazu und sangen mit, auch wenn wir wegen des Zischens und Piepsens kaum verstanden, worum es in dem Lied ging. Irgendwann waren die Batterien leer. Meine Eltern zu bitten neue Batterien zu kaufen hatte keinen Sinn, denn für so etwas gab es kein Geld.

Das Transistor-Radio stellte ich auf eine Kommode neben das Bild meines Bruders in Militäruniform – der glücklicherweise in Wladiwostok seinen Wehrdienst ableisten durfte – wo es bis zu seiner Heimkehr stand.

Heutzutage trägt man auch mal einen Transistor-Radio bei sich. Allerdings mit einem Laptop, iPhone, iPad oder Ähnlichem im Inneren 😉

Transistor1

Ich wünsche allen einen schönen Mittwoch!

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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15 Antworten zu Der Transistor(Radio)

  1. buchstabenwiese schreibt:

    Schöne Geschichte, liebe Marija.
    Mir gefällt auch das Bild dazu. Das ist wirklich schön.

    Herzliche Grüße,
    Martina

  2. OceanPhoenix schreibt:

    Was für eine schöne Geschichte, liebe Marija 🙂 natürlich was das Radio für dich damals etwas ganz, ganz Besonderes .. und die Dinge damals noch nicht so selbstverständlich, wie heutzutage für uns viele Dinge es sind (leider ..man sollte das Einzelne viel mehr und bewußt wertschätzen, finde ich ..) deine Begeisterung kann man richtig spüren beim Lesen.

    Ich grüß dich ganz herzlich und wünsche dir ein schönes Wochenende,
    Ocean

  3. giselzitrone schreibt:

    Hallo lieber Freund dir einen schönen Tag eine schöne Geschichte,ja das waren schon Zeiten.Wünsche dir ein schönes sonniges Wochenende.Lieber gruß von mir Gislinde

  4. Stefan schreibt:

    Danke Marija, für die Geschichte. Ich habe sie auch gern gelesen.
    Lieb Grüße
    Stefan

  5. Marion schreibt:

    Eine interessante Geschichte, die sich für mich so gut nachfühlen lässt. Und dazu noch mit Original-Foto – Klasse! Die Freude springt dir förmlich aus den Augen :).

    Wieder einmal erinnert sie mich an eine eigene Geschichte. Ich hatte mit 14 meinen ersten Freund. Er war 6 Jahre älter, verdiente eher Geld als ich und sein erstes größeres Geschenk vom selbst verdienten Geld war so ein ähnlicher kleiner Transistorradio, der auch noch ein Cassettenabspielfach hatte. Das hatte er mir versprochen, weil er scheinbar der Meinung war, ein junger Mensch in diesem Alter ohne eigenes Musikgerät – das geht gar nicht. Ich war total happy, freute mich riesig und begann ab da fleißig abends in meinem Zimmer Radio zu hören und Musik auf Cassette aufzunehmen. Auf diesem Weg stieß ich das erste Mal auf Thomas Gottschalk, der zu dieser Zeit eine Oldie-Musiksendung moderierte. Mensch, wie die Zeit seitdem vergangen ist… 😉

    Liebe Grüße und danke fürs Erzählen! Ich habs sehr gern gelesen.

    Marion

  6. Michael Stuhr schreibt:

    Hallo Marija! Eine schöne kleine Geschichte. Danke dafür. Gruß Micha

  7. andrea schreibt:

    WIR haben auch so ein kleines das WIR dann oft auf REISE(n)mit nehmen…wenn WIR dann REISE(n)habe einen schönen MITTWOCH….HERZlichste GRüßE sendet dir ANDREA:))

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