(Über) das Leben – Teil IV

Martina war für mich mittlerweile zu einer sehr guten Freundin geworden und ich konnte ihre Sprechweise auch gut verstehen, was für mich ein großer Fortschritt war. Denn als wir uns kennen lernten, hatte ich von einem Satz ihres sächsischen Dialekts höchstens ein Wort verstanden. Das brachte mich manchmal zu verzweifeln während ich vergebens nach den Vokabeln im Wörterbuch suchte. Ich habe ihr immer wieder gesagt, sie soll doch bitte langsam und hochdeutsch sprechen, aber weder das eine noch das andere klappte bei ihr „Isch do doch hochdädsch labern“, grinste sie. Wobei ich bemerken muss, dass sie immer seltener „Nu“ und öfter „Ja“ in ihrem Wortschatz verwendete. Später sind wir auf die Idee gekommen die Sätze aufzuschreiben. Für diesen Fall trug ich immer einen Zettel und einen Stift bei mir und das hat geholfen.DIGITAL CAMERA
Als Martina mich mal zu Besuch zu ihrer Mutter nach Chemnitz mitgenommen hatte, kamen mir die drei Tage dort wie im Ausland vor. Plötzlich klang für mich die deutsche Sprache völlig fremd und ich verstand wieder wirklich gar nichts und kam mir vor, als hätte ich all mein mühsam erlerntes Deutsch mit Übertritt in den östlichen Teil der Republik vergessen. So eine hochkonzentrierte Dosis an Dialekt hatte ich vorher noch nie gehört. Einen Moment lang stellte ich mir vor, wie sich jemand aus Kiev bei uns im Westen der Ukraine gefühlt haben muss. Denn der Transkarpatien-Dialekt gehört zu den intensivsten in der Ukraine und ist am stärksten mit Fremdwörtern der verschiedenen europäischen Sprachen versetzt, viele kommen von den vier Ländern Rumänien, Ungarn, Slowakei und Polen, die direkte Nachbarn des Transkarpatien Gebietes sind. Wobei auch die Deutsche Sprache aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie ebenfalls vertreten ist.
Während des Besuchs saß ich meistens da und lächelte freundlich in der Hoffnung, dass ich in das Gespräch nicht eingebunden würde. Ich hasse es, wenn ich vor Aufregung rote Flecken im Gesicht und auf dem Hals bekomme. Martina wusste das und wenn es doch der Fall war, dass mir eine Frage gestellt wurde, antwortete sie für mich, bevor ich den Mund aufmachen konnte.
Schon oft versuchte Martina mich zu überreden, mit ihr Tanzen zu gehen. „Schwoofen“ hieß es in ihrem Dialekt, und ich habe mich jedes Mal rausgeredet. Zum einen waren die Kinder nur jedes zweite Wochenende, wenn überhaupt, bei ihrem Vater. Genau genommen hatte er immer seltener Zeit für sie. Zum anderen hatte ich kein Geld übrig, weder für einen Babysitter noch um auszugehen. Außerdem hatte ich dazu überhaupt keine Lust. Nachdem ich umgezogen war, beschäftigte ich mich nur mit meinen Kindern und mit dem Geldverdienen. Ich besaß kein Auto, also musste ich alles zu Fuß erledigen. Zwei Mal im Monat nahm sich Martina die Zeit, denn sie arbeitete immer noch in der Pension jetzt Vollzeit, um mit mir einen größeren Einkauf für den Haushalt vorzunehmen. Danach holten wir die Kinder von der Schule und vom Kindergarten ab, aßen gemeinsam zu Mittag, tranken danach Kaffe und spielten mit den Mädchen. Sie gehörte zu meiner Familie und ich war froh, dass ich sie hatte.

An dem Abend schlug Martina das Tanzlokal gleich bei mir um die Ecke vor, die Mädchen waren bei ihrem Vater und ich hatte keine Ausrede…

Darüber und viel mehr nächsten Mittwoch. Bis dahin eine sonnige Zeit!

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Über MarijaPopadinets

Hobby-Autorin-Bloggerin
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11 Antworten zu (Über) das Leben – Teil IV

  1. giselzitrone schreibt:

    Wünsche dir eine gute neue Woche und ich Danke dir für deinen Besuch,bin gespannt wie deine Geschichte weiter geht.Gruß Gislinde

  2. Marion schreibt:

    Liebe Marija,

    was ich heute hier bei dir lese, erinnert mich an viel eigenes.

    Einmal meine (frühere) Nachbarin in München, eine Russin, die alleinerziehend war und eine gute Freundin wurde. Durch sie habe ich einiges aus einer mir fremden Kultur und Welt kennen gelernt. Es ist schön, wenn man über solche Grenzen hinweg Freundschaft schließen und die Herzen erreichen kann.

    Seit 1. August 2013 lebe ich in der Schweiz, der Heimat meines Mannes. Die Schweiz gilt ja als deutschsprachig und doch ist Schweizerdeutsch eine eigene Sprache, die auch einer Deutschen wie mir erst mal das Gefühl gab, Ausländerin zu sein (was ich ja auch bin). Wir haben kein Auto, ich darf alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen und ab 1. Juli habe ich endlich auch einen Job, um hier langsam Fuß zu fassen.

    Mein Vater ist übrigens in Chemnitz geboren und mein Großvater redete noch so richtig sächsisch wie deine Freundin, von der du erzählst.

    Transkarpatien habe ich zum ersten Mal in meinem Leben bei dir hier gelesen. Klingt sehr abenteuerlich, von den Fotos her aber eine schöne Gegend!

    Ich lasse einfach mal liebe Grüße hier
    Marion

    • marijap1 schreibt:

      Zunächst vielen herzlichen Dank für einen schönen Blumenstrauß, liebe Marion! 😉 Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, auf deine netten Kommentare zu antworten. Und das würde ich sehr gerne tun. Allerdings, ist es mir heute nicht mehr möglich. Deshalb wünsche ich dir eine gute Nacht, und wir lesen uns morgen. Liebe Grüße, Marija

  3. andrea schreibt:

    Solch eine FREUNDin zuhaben ist ganz arg TOLL…solche FREUNDschaften gibt es nur noch selten…..schön das du meinen GEBURT(s)TAG nicht vergessen hast meine LIEBE..kommste nachher noch mal rüber….PARTY machen??FG**LG ANDREA:))winke winke,,,

    • marijap1 schreibt:

      Vielen Dank, liebe Andrea! Viele Menschen begegnen uns im Leben die wir als Freunde sehen. Meistens ist es aber doch nur Eine(r). Und dafür soll man dankbar sein.
      Weniger ist mehr. Ich glaube den Ausdruck darf man manchmal auch bei Freunden gelten lassen.
      Ich wünsche dir noch einen schönen Geburtstags-Abend!!!:-)
      Herzliche Grüße
      Marija

      • andrea schreibt:

        Liebe MARIJA:))))SCHÖN deine WORTe zuLESEN,es ist ein MENSCH der deine SPRACHE versteht…..hatte ich mal einen TRAUM…das ich eine ausländische SPRACHE gesprochen habe so von ganz früher ausdem MITTELalter und ich bin dann über solch einen TÖPFERmarkt wie es früher so gang und gebe war drüber geschlendert……so von UR-ZEITen her versteht sich…dies MENSCHen konnten mich aus diesem früheren LEBEN verstehen…und ivch war eine überLEBENde davon…haste da noch WORTe…..und als ich erWACH(t)e aus meinem TRAUM war für mich die Gewissheit KLAR ich habe dort schon einmal gelebt….und hier sind die MENSCHen zugeknöpft in ihrer SPRACHE…vor ALLem was meine MUTTER angeht….die hat einmal zu mir gesagt **WIR sprechen glaube ich zwei SPRACHE(n)**und mit der heutigen ERKENNTNIS ist mir noch eines KLAR geworden **WIR leben auch noch dazu in zwei WELTen**wenn du mehr darüber wissen möchtest findest du ALLes so nach und nach auf meinen SEITE(n)ansonsten kann ich dir mein GESCHRIEBENES auch mal per EMAIL zukommen lassen wenn es dich INTERESSIERT???HERZliche GRÜßE zu dir in den ABEND und schön das du meinen GEBURT(s)TAG nicht vergessen hast…..

  4. Schön, so eine Freundin zu haben. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.
    Liebe Grüße, Iris

  5. giselzitrone schreibt:

    Eine schöne Geschichte von Martina .Wünsche einen schönen Tag lieber Gruß Gislinde

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